Vortrag „Eggersdorf 1938 bis 1945 – Geschichte und Erinnerung“
um 19:00 Uhr
in der VS-Aula - der Eintritt ist frei
Referent ist Herr Mag. Franz Christian Weber
(Historiker und Herausgeber der St. Radegunder Blätter)
Die Marktgemeinde Eggersdorf verfügt über umfangreiche Chroniken (Schul- und Gendarmeriechronik), in denen die einschneidenden Ereignisse wie der „Juliputsch“ 1934, der „Anschluss“, der Widerstand der Bevölkerung gegen das Verbot des Aufhängens von Kreuzen in den Volksschulklassen, weshalb selbst der Gauleiter nach Eggersdorf kam, weiters die Kriegsjahre und die Besatzungszeit beschrieben werden. Anhand dieser Quellen, ergänzt durch Akten der Behörden und der Reichsstatthalterei, werden diese Jahre im Kontext der Geschichte des „Dritten Reiches“ dargestellt.
Dabei stehen die letzten Kriegswochen und – tage, in denen sich massenweise sowohl zivile Flüchtlinge als auch Wehrmachtsangehörige vor der Roten Armee in Sicherheit brachten und durch Eggersdorf zogen, im Mittelpunkt des Vortrages.
In diesen letzten Wochen vor der Kapitulation der NS-Regimes wurde Eggersdorf auch Schauplatz sog. Endphaseverbrechen, als ungarische, jüdische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf dem „Todesmarsch“ durch Eggersdorf getrieben wurden: einige von ihnen wurden dabei von SS-Verbrechern im Gemeindegebiet ermordet und vergraben.
Die Erinnerungen an diese Verbrechen leben oft in den Erzählungen der Bevölkerung weiter; da diese Narrative eine wesentliche Ergänzung der „verfassten Geschichte“ darstellen, sollen mit ihnen im Rahmen der Veranstaltung die Ereignisse der letzten Kriegstage rekonstruiert werden. Als Folge dieses historischen Diskurses soll auch überlegt werden, wie einer neuen Erinnerungskultur entsprochen und der Opfer dieser Endphaseverbrechen gedacht werden kann.